Was wir durch Liebesbeziehungen über uns selbst erfahren

Es kommt der Tag, an dem alles anfängt. Mit Herzrasen, absoluter Verliebtheit und unendlichen Glücksgefühlen. Das fühlt sich so berauschend an, dass wir hoffen, niemals mehr aussteigen zu müssen aus diesem Gefühlskarussell.

Viele unzählige Liebesgeschichten beginnen auf unterschiedlichste Art und Weise – meist aber immer mit dem unglaublichen Gefühl des endlich angekommen seins.

Wir sind als Frauen schnell bereit, uns auf unseren Seelenpartner einzulassen und später nach und nach einzustellen. Auf einen Menschen in der Form einzugehen, dass wir uns selbst und unser Leben Stück für Stück ein wenig mehr aufgeben, um uns dem anderen hinzugeben, liegt vielleicht in der weiblichen Natur. Wir verschenken uns gerne. Kümmern uns selbstlos um andere und geben auch als Mütter stets unser Bestes.

Aber ist es auch das Beste für uns? Wenn wir bis zur Selbstaufgabe lieben können, ist das sicherlich erst einmal Glück. Aber hin und wieder klopft unser eigenes Herz an die Türe. Meldet sich und sagt: Hey! Mich gibt es auch noch. Du hattest doch einen ganz anderen Plan vom Leben mit mir. Warum verrätst du mich?

Es folgt oft eine Phase des Stillschweigens. Wir hören nicht mehr auf unser weibliches Herz. Fühlen uns der Aufgabe verpflichtet, alles für diese besondere Liebe geben zu wollen. Ja zu müssen. Nur damit sie aufrecht erhalten bleibt. Dafür kommen wir ständig ins Tun. Ins Regeln. Ins Gutmachen wollen. ….später dann ins Meckern, Beschweren, unzufrieden sein.

In der oft langen Phase des kontinuierlichen unglücklich Werdens kommen wir immer mehr an unsere inneren und äußeren Grenzen. Oft spricht bereits der Körper Bände, bevor wir unserem Inneren endlich einmal wieder Gehör schenken. Der Plan vom Glück MUSS bleiben. Gerade wenn bereits Kinder eine Rolle spielen, nehmen wir dies als unsere Lebensaufgabe an.

Wenn der Mann dann seinen Rückzug antritt und uns oft sogar ganz verlässt, sind wir enttäuscht. Fühlen uns beschmutzt. Verraten. Und projizieren diese Emotionen immer auf das Gegenüber, was unsere Liebe nicht gewürdigt hat. Das schmerzt uns. Zerreißt uns.

UND JETZT?

Wenn wir die Fragen, die unser Leben an uns stellt, richtig verstehen wollen, dürfen wir Umdenken lernen. Wir dürfen die Chance betrachten, uns mit uns selbst beschäftigen zu müssen. Jetzt, wenn der andere weg ist, sind wir bei uns. Und wenn wir nicht bei uns sind, dann sind wir zumindest oft mit uns alleine. Davor hatten wir ja die ganze Zeit so unglaublich viel Angst. Das Leben zeigt es uns auf seine Art.

Im Schmerz fühlen wir – wenn wir bereit sind, hinzuschauen – was wir mit uns gemacht haben. Wir haben uns nicht gewürdigt. Wir haben uns selbst verletzt und sind nicht achtsam mit uns gewesen. Wir haben aus der Liebe heraus einfach unseren Weg nicht mehr verfolgt. Dabei haben wir diese Liebe lediglich einem anderen Menschen geschenkt. Und uns selbst unserer Eigenliebe beraubt.

Das soll nicht heißen, dass wir andere nicht mehr bedingungslos lieben. Im Gegenteil. Wenn wir aber verstehen, dass wir uns als Erstes einmal selbst lieben dürfen, dann können wir aus dieser Eigenliebe heraus freier werden auch anderen Menschen unsere Liebe geben. Dann laugen wir nicht mehr aus. Dann fühlen wir nicht mehr all diese schmerzlichen Emotionen, die uns die Kraft rauben. Wenn wir aus der Kraft der Selbstliebe agieren, sind wir bei uns.

Die Erkenntnis, dass WIR es sind, die diese Beziehung in der Form geführt haben, kommt bei vielen zu Ende gegangenen Liebesbeziehungen meist viele Jahre später. Als wir unseren Weg verließen, uns und unserem Herzen nicht treu geblieben sind, haben wir den Grundstein für den Verlauf der Geschichte gelegt. Unserer Geschichte. Denn wenn wir ehrlich sind: nach der Verliebtheit folgt oftmals eine Zeit der Machtkämpfe. Um Rangpositionen in der Beziehung. Es werden Bedingungen gestellt. Und schon ist man wieder in der ungesunden, nicht freien Liebe angelangt und wundert sich, dass diese Art so viel zerstörerisches Potential in sich trägt. Bis es irgendwann dann auch soweit ist, dass es auseinandergeht.

Alles, was nicht Bestand hat, darf auch auseinandergehen, um sich neu zu sortieren. Wir sortieren uns neu. Unsere ehemaligen Partner auch. Und in dieser Neusortierung liegt eine grandiose Chance der Selbstheilung, Heilen wir doch endlich alle einmal die inneren Kinder in uns und fangen an, uns selbst anzunehmen wie wir sind. Wenn wir das geschafft haben, sind wir bereit, das nächste Kapitel der neuen oder auch alten Liebe aufzuschlagen. Nicht selten gibt es ein Happy End, wenn Menschen beginnen, bei SICH anzufangen. Und am besten ein Happy End mit sich selbst.

Und uns Frauen noch ein Tipp:

Kein Mann dieser Welt sagt ‚Danke‘, wenn ihr euch selbst nicht mehr ernst nehmt und würdigt. Das braucht er auch nicht, weil es nicht seine Aufgabe ist, uns glücklich und zufrieden zu machen. Wir können von einigen Männern noch etwas lernen:). Sie nehmen sich wahr und wichtig. Also warum machen wir uns nicht auch auf den Weg gut für uns selbst zu sorgen und unser Sein zu genießen. Macht euch täglich Komplimente und schaut euch liebevoll im Spiegel an. Ihr seid schöpferische Wesen, die MEHR zu bieten haben, als Liebe für einen Partner und Kinder zu spenden. Verändert mit eurem wahrhaftigen Sein als Frau ein Stückchen die Welt und hört wieder auf euer Herz. Dann kann es in die nächste Runde des Lebens gehen. In eine andere Runde:) ohne Null-Runde.

In diesem Sinne frohe Erkenntnisse und eine gute Zeit

Julia

 

 

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Die Chance im Loslassen

Heute möchte ich euch einen kleinen Erfahrungsbericht schreiben:), der euch ermuntern soll, auch im oft zu schwierigen LOSLASSEN, eine Chance zu sehen und zu erkennen, sein Leben zu verändern.

Loslassen kann eine freiwillige Entscheidung sein. Wenn du zum Beispiel ganz klar entscheidest, deinen jetzigen Beruf, Partner o.ä. loszulassen. Dann triffst du eine aktive Entscheidung, die du sicher vorher durchdacht hast und fühlst dich erst einmal befreit und glücklicher. In diesem Zusammenhang ist Loslassen eine recht einfache Geschichte. Vielleicht dauert der Prozess etwas und die Gedanken bis zur Entscheidung sind nicht immer angenehm – denn nicht selten quälen uns ja immer Zweifel vor einem Schritt des Loslassens. „Ist es richtig, wie ich mich entscheiden werde. Was verliere ich – was gewinne ich? Tue ich anderen damit weh?“  Im aktiven Loslassen steckt deine eigene Energie. Das macht es deutlich einfacher.

Und dann kommt das andere Loslassen. Das passive, von Außen gesteuerte. Das trifft dich mitten ins Herz. Und du denkst erst einmal: es geht nicht weiter für mich. Das kann ich nicht aushalten. So ein passives Loslassen kann eine Trennung sein von einem geliebten Menschen, der sich für einen anderen Lebensweg ohne dich entschieden hat. In diesem Fall hat sie oder er den aktiven Prozess des Loslassens bereits beschritten und teilt dir eine Konsequenz mit. Dich trifft es oft unerwartet (weil wir vieles nicht wahrhaben wollen und können) und löst bei dir den passiven Weg des Loslassens aus. Es kann auch ein plötzlicher Todesfall sein, und du bis auf einmal damit konfrontiert einen Menschen loszulassen, den du liebst und mit dem du einen Teil deines Lebens teilst.

Im Prozess des passiven Loslassens kommen sämtliche Emotionen zum Vorschein: Wut, Trauer, Angst, Verletztheit, Enttäuschung, Schmerz. Ich kann dir leider nicht sagen, dass du durch diese Emotionen mit einem Coaching-Tipp nicht hindurchgehen wirst. Das gehört zu diesem Prozess und lässt sich erst einmal nicht verhindern. Genau hier möchte ich dir helfen, in dem ich dir sage: Lass deine Wut, deine Trauer, deinen Schmerz und all deine Emotionen und Gefühle zu. Nimm sie an. Lerne sie kennen. Weine, schreie, lache, hau auf den Tisch, verkrieche dich für Momente. Es darf dir ruhig auch einmal schlecht gehen.

In meinem Fall des loslassen Lernens – und es gab bereits einige Prozesse, durch die ich hindurch gegangen bin – habe ich genau diese Emotionen auch erlebt. Der schlimmste und sehr traumatische Fall, war als man mir meine Tochter genommen hat. Auf einem Weg, den ich nie erwartet hätte. Unvorbereitet, von Außen gemacht, mit einer Härte und Mithilfe durch fremde Menschen begleitet – Schmerz und Ohnmacht pur. (Mehr möchte ich hier im Detail nicht schreiben, um mein Kind nicht in in die Öffentlichkeit zu bringen.)

Und dann, nach der Ohnmacht kam das Lernen. Ich habe gelernt, um beim Beispiel meines Kindes zu bleiben, dass ich wie im Kaukasischen Kreidekreis von Bertold Brecht nicht weiter an meinem Kind ziehe und zerre. Denn dann hätte ich es zerrissen. Im Brechtschen Werk kämpfen zwei Frauen um ein Kind. Die leibliche Mutter und die Stiefmutter, die vorgibt, die ‚richtige‘ Mutter zu sein. Der Richter macht einen Test, in dem er das Kind in die Mitte eines Kreidekreises stellt und bittet, dass beide Frauen jeweils das Kind zu sich ziehen/zerren sollen. Während die Stiefmutter an dem Kind zerrt und ihm weh tut, lässt die leibliche Mutter los. Der Richter hat erkannt, bei wem es sich um die wahre Mutter handelte und entsprechend entschieden.

Heute weiß ich, warum mir während meiner Abi-Phase genau diese Lektüre so im Gedächtnis geblieben ist. Denn ich stand und stehe manchmal heute noch genau vor der selben Entscheidung. Und habe gelernt dem Kind zu Liebe loszulassen, meine eigenen Gefühle, Emotionen und Bedürfnisse vollends hinten an zustellen und keinen Kampf mehr aufzunehmen, der zusehends zerstört.

In diesem sehr harten Prozess meines passiven Loslassens habe ich unendlich viel über mich selbst erfahren. Mich gelernt so anzunehmen, wie ich bin. Meine Ängste anzunehmen und mit Liebe durch sie hindurch zu gehen. Ich begann meinen nicht selbstgewählten Weg – erst einmal ohne Kind – zu überdenken und zu überlegen, was ich nun mit meinem Leben anfangen könnte. Die Wahl zwischen alles hinschmeißen und eingehen oder aufzustehen und ein anderes Leben zu beginnen, habe ich erkannt. Wir haben immer eine Wahlmöglichkeit.

Und dann kommt – nach einer Zeit des passiven Zustands – plötzlich wieder Aktivität in das Leben. Ich wurde aktiv. Habe eine neue Ausbildung begonnen – abgeschlossen, neue Menschen kennengelernt, die mein Leben auf eine ganz neue, besondere Art bereichert haben. Es passierte so viel Unglaubliches, Gutes.

Nach einem Prozess des Loslassens, entsteht also ein neuer Prozess des Agierens. Wenn DU dich dafür entscheidest! Das Ergebnis ist eine große Portion innere Freiheit und Selbstliebe und nicht selten ein erfülltes, glückliches Leben.

Ich wünsche euch allen erfolgreiches Loslassen und die Erkenntnis, dass das Leben jeden Tag mit einer Wahlmöglichkeit auf euch wartet.

Eure Julia

 

 

 

 

 

 

 

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